Contentflut: Warum auf LinkedIn eine eigene Stimme den Unterschied macht

Contentflut: Warum auf LinkedIn eine eigene Stimme den Unterschied macht

11. August 2026
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Die Menge an LinkedIn-Content wächst rasant. Trotzdem hat der Tag nur 24 Stunden, von denen man nur einen Bruchteil zum Lesen nutzen kann. Die Folge: Der einzelne Beitrag bekommt immer weniger Aufmerksamkeit – sofern er überhaupt noch gesehen wird. Das liegt nicht nur an der Menge an Content. Sondern auch an seiner Austauschbarkeit. Ein Kommentar von Sandra Cremer.

Ein Schaufenster mit dem Schriftzug "What is your Story?"

Die eigene Stimme hängt stark mit der eigenen Geschichte zusammen. Foto von Etienne Girardet auf Unsplash

Wer wie alle klingt, wird überhört

Beim Scrollen durch LinkedIn habe ich manchmal das Gefühl, immer wieder den gleichen Beitrag zu lesen. Der Aufbau ähnelt sich, die Formulierungen auch. Und was als persönliche Erfahrung verkauft wird, klingt verdächtig nach „Schon x-mal gelesen“.

Irgendwann habe ich angefangen auszusortieren. Mal unbewusst nebenbei, mal ganz gezielt. Warum sollte ich meine Zeit mit 08/15-Content verschwenden, wenn ich stattdessen interessante Beiträge lesen könnte?

Einen generischen Post verzeihe ich noch, zwei vielleicht auch. Aber beim dritten entfolge ich. Vielleicht macht das nicht jeder so konsequent. Trotzdem werden viele wählerischer. Wer immer wieder austauschbaren Content liefert, verspielt auf Dauer Vertrauen.

Vorsicht vor dem schönen Schein

Mit KI lassen sich belanglose Beiträge heute schneller produzieren als je zuvor. Gleichzeitig wird es immer einfacher, Kompetenz zu simulieren. Der schöne Schein ist nur ein paar Prompts entfernt.

So entsteht jede Menge Content, der auf den ersten Blick überzeugend wirkt, auf den zweiten aber inhaltsleer ist. Die gleichen angeblich eigenen Gedanken, Erfahrungen und Erkenntnisse werden immer wieder neu verpackt.

Was trotz der Flut noch ankommt

In meinem Feed bleibe ich vor allem bei bekannten Gesichtern hängen. Menschen, bei denen ich weiß: Sie kopieren nicht, sondern lassen sich höchstens von anderen inspirieren. Ihnen gebe ich einen Vertrauensvorschuss und erwarte Anregungen.

Welche Art von Inhalten das sind? Texte mit Charme, einer Prise Humor und einer Meinung, die nicht jeder teilen muss. Der größte Fehler ist, allen gefallen zu wollen. Denn genau das führt dazu, dass man niemandem wirklich gefällt.

Ich mag Beiträge, die sich nicht jedem sofort erschließen. Ein intelligenter Gedanke, etwas Ironie oder eine unerwartete Pointe. Bei den richtigen Menschen stellt sich dann dieses Gefühl ein: Wir verstehen uns.

Was bedeutet das für die eigene Personal Brand?

Persönlichkeit zeigt sich nicht nur in dem Was, sondern auch in dem Wie. Es ist die Art zu schreiben, an der man Beiträge wiedererkennt. Diese Stimme entsteht aus der eigenen Geschichte: Wo bin ich aufgewachsen? Wie war mein Umfeld? Welche Menschen haben mich geprägt?

KI kann eine solche Stimme nur imitieren, nicht mit eigenem Leben füllen. Denn sie hat keinen Erfahrungsschatz, auf den sie zurückgreifen kann. Wer nur allgemein verfügbare Informationen und generische Prompts hineingibt, bekommt zwangsläufig einen Text, der genauso gut von jemand anderem stammen könnte.

Ecken und Kanten ausdrücklich erwünscht

Man kann KI nutzen, um seine Beiträge zu überarbeiten. Doch muss man aufpassen, dass dabei der eigene Schreibstil nicht verloren geht. Allgemeine Anweisungen wie „optimieren“ oder „straffen“ können dazu führen, dass der Post zwar einfach lesbar ist, aber nicht mehr nach einem selbst klingt.

Gerade ungewöhnliche Wörter, Formulierungen oder Satzkonstruktionen machen die eigene Stimme aus. Ein Text darf nicht bis zur Unkenntlichkeit verschliffen sein. Er muss Ecken und Kanten haben.

Nach mir die Contentflut

Bisher habe ich vor allem darüber geschrieben, wie man mit seinen Beiträgen noch wahrgenommen wird. Mindestens genauso wichtig ist aber eine andere Frage: Trage ich selbst dazu bei, dass immer mehr belangloser Content entsteht?

Selbst für Texterinnen und Texter ist die Versuchung groß. Der wirtschaftliche Druck ist enorm, weil wir mit vermeintlich kostenlosen Chatbots konkurrieren.

KI kann beim Weiterdenken helfen, alternative Formulierungen vorschlagen oder Wiederholungen aufspüren. Doch viel zu oft wird sie dazu verwendet, generischen Content in großen Mengen zu produzieren.

„Schnell, billig und viel“ hat aber langfristig einen hohen Preis. Die Rezipienten stumpfen ab, verlieren Vertrauen oder wenden sich ganz ab. KI erleichtert uns die Arbeit. Die Verantwortung dafür, ob dadurch bessere Inhalte oder einfach nur mehr davon entstehen, bleibt bei uns.


Unsere Autorin

Sandra Cremer, Berufsverband Text und Konzept

Sandra Cremer

Sandra Cremer arbeitet seit 2000 als freie Konzeptionerin und Texterin für Unternehmen und Organisationen. Statt auf generischen Content setzt sie auf Inhalte mit eigener Stimme. Sie findet heraus, was ihre Kunden besonders macht. Daraus entwickelt sie Texte, die sich von der Content-Flut abheben und gerne gelesen werden.

E-Mail: info@sandracremer.de
Web: http://www.sandracremer.de

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