Haben wir Konzeptioner:innen und Textprofis alles schon gesehen? Sind wir gerade ein bisschen KI-frustriert? Nicht nach der Fachtagung Konzept und Text im April 2026 in Erfurt. Hier gab‘s das Kontrastprogramm. Im gemütlichen mittelalterlichen Haus Dacheröden in Erfurt fegte ein frischer Wirbelsturm einmal durch die freie Branche und unsere Synapsen. Das lag am hochaktuellen „Kontrastprogramm“ mit einer geballten Ladung Fortbildung.
Autorin: Britta Freith

Unsere Chancen als freie Kreative? Besser als ihr Ruf
Ein Freitagvormittag im April 2026. Fast 50 Kolleg:innen aus Deutschland und der Schweiz strömen ins Haus Dacheröden in Erfurt. Keine leichte Sache, bei so viel Wiedersehensfreude den Überblick zu behalten. Der erste Programmpunkt hilft: Robert Botz, Werbetext-Profi und Vorsitzender unseres feinen Berufsverbands, bot ein inhaltsstarkes Opening zur Lage der Kreativnation.
In seiner Lesung aus dem Maschinenraum sezierte er, wo wir Kreative gerade stehen, unterfüttert mit Fakten aus der Wirtschaft und Agenturbranche. Und siehe da, die Zahlen und Umfragen sprechen für uns freiberufliche Texter:innen und Konzeptioner:innen. Langfristige Konzepte sind gefragt, einzigartige Texte werden dringend gesucht. Mit unserer Kompetenz für guten Content und Profitext lassen wir Unternehmen und Marken glänzen. Besonders in wirtschaftlich kritischen Zeiten. Ein zeitgemäßer Kommunikations-Blick von außen bringt unseren Kunden einen großen Vorteil.

Noch jemand ‘ne Slop-Machine?

Nein danke, lieber schöne Texte. Ja, wir wissen, dass Gewohntes gemütlich sein kann. Nur wird’s auf Dauer echt langweilig – und wir langweilen uns schnell. Kommunikationsstrategin und Texterin Katharina Zegers riss uns mit, denn bei ihr ging es um unsere einzigartige Fähigkeit: zu wissen, wann eine Story berührt. Motto ihres Vortrags: Masse oder Klasse? Wie wir mit Storytelling und echten Emotionen die KI-Mittelmäßigkeit schlagen.
Was lernen wir daraus? Außergewöhnliches wird weitererzählt (Inspire-me-Geschichten!), Altbekanntes schnell vergessen. Das ist nichts Neues, aber zum Glück ändert es sich auch nicht. Slop, Contentmüll, ist eine Seuche der Jetztzeit. Wir Texter:innen sind eben mehr als nur eine Maschine. Gerade weil wir menschliche Power haben. Also setzen wir künstliche Intelligenz dann ein, wenn sie uns Arbeit abnimmt und Lebenszeit schenkt. Doch wir bleiben Boss, haben das letzte Wort und wirklich neue Ideen.
Guter Text muss auf die Bühne
Ein Bildschirm, drei Stühle, fünf Kommunikationsfachleute: Auf dem Panel „Zwischen Zeilen und Zukunft – Wortberufe im Wandel“ gab’s für alle den passenden Platz – und einen guten Überblick über unsere Vielfalt. Denn auf die Frage, was wir Textprofis eigentlich so machen, gibt es bei uns im Verband rund 130 Antworten. Also genau so viele, wie es Mitglieder gibt.
Carsten Häder, sehr erfahrener Kampagnero und Texter aus Berlin, erzählt von seiner Rückbesinnung auf die Bilder: Tatsächlich kann er als gelernter Designer seine Texte selbst illustrieren. Beatrice Wanek jongliert derzeit diverse Content-Kundenprojekte und sagt, dass es immer wieder an erfahrener langfristiger Projektsteuerung fehlt. Dr. Gabriele Dufhues erlebt als hochspezialisierte Texterin in der Pharmabranche, wie Kunden es mit KI probieren und mitunter gnadenlos scheitern, weil der Nachwuchs im Unternehmen keine fachliche Ausbildung hat.

Sascha Ceccarelli, KI-Consultant und Texter, schildert den Umbruch als Berater in Agenturen: Alles ist im Fluss, was heute gilt, kann morgen nicht mehr möglich sein. Eine seiner Vorhersagen hat sich kurz darauf bewahrheitet: Anthropic machte Claude-Code unangekündigt erheblich teurer (dann kurzfristig einen Rückzug).
Saschas Rat: KI benutzen, up to date bleiben, aber bloß nicht zu sehr auf ein bestimmtes Tool setzen. Denn vielleicht ist dieses Tool schon bald Geschichte.
Erfolg entsteht im Kopf – Effectuation

Zu unserem Jobprofil als Profis für Konzept und Text gehört, dass wir uns ganz schnell richtig viel Wissen erarbeiten können. Wir sind Erfahrungsspeicher, wandelnde Lexika, stellen Verbindungen her und können die auch noch in Worte fassen. Wir sind: Extraordinary Machines. Wie wir das für uns nutzen können, zeigte uns Team- und Organisationsentwicklerin Susanne Neunes anhand von Effectuation, einem Denkmodell für unsichere Zeiten.
Im klassischen Managementdenken starten wir oft mit einem Ziel, bei Effectuation dagegen mit den Mitteln: Was kann ich, was habe ich, wen kenne ich? Um unsere Zukunft oder auch nur nächste Schritte zu planen, können wir dann abwägen, was wir bereit sind einzusetzen. Wir betrachten die Chancen und den möglichen Verlust. Wir nutzen Zufälle und gute Kontakte. Wir sind offen für unerwartete Angebote, weil sie Wege eröffnen, mit denen wir vielleicht gar nicht gerechnet haben.
Als Selbstständige sind wir genau darauf natürlich vorbereitet: Offenheit, Neugier und Experimentierfreude gehören schließlich zu unseren Grundvoraussetzungen. Umso inspirierender war es, das Ganze mal methodisch anzugehen und bewusst zu durchdenken.
Wer Text sagt, muss das definieren
Technisch oder kreativ – oder vielleicht technisch und kreativ? Texten kann so viel bedeuten. Packen wir es in zwei praktische Workshops. In einem wurde es ultrakreativ, im anderen hieß es UX. But wait … Der war auch mega kreativ.
Sybille Fischer (Workshop: UX-Writing) und Anke Engelmann (Workshop: Kreatives Schreiben und Poesie) sorgten dafür, dass alle zu klassischen Stiften griffen. Außerdem für heiße Ohren, breites Grinsen und noch mehr Wissen in den Köpfen.
Lassen wir die Bilder sprechen:








Jede Menge Kreativpower für rund 50 kreative Köpfe: Die Workshops sind immer wieder ein Highlight auf unserer jährlichen Fachtagung
Ganz schön viel zu verdauen
Futter gab’s genug, für den Kopf, für den Magen auch, mittendrin und hinterher – wir haben nämlich nicht nur in den Pausen, sondern auch abends ziemlich lange weitergeredet. Feinstes Networking. Und ja, Eis gab’s auch! Und Ingwershots von Klosterkitchen.
Unser Partnerverband, die Allianz Deutscher Designer (AGD), war natürlich dabei und hat uns in diesem Jahr sogar als großzügiger Sponsor unterstützt. Besonderer Dank für euren Support!
Ein weiterer Shout-out geht an das Mediennetzwerk Thüringen MENT und Markus Hoppe.
Ein großes Dankeschön auch an das extrem unterstützende Team im Haus Dacheröden: heiße Empfehlung für alle, die einen guten Tagungsort suchen.
Wir wandern übrigens jedes Jahr mit unserer Fachtagung, von Nord nach Süd, von Ost nach West. Falls du einen Wunschort hast: Immer her damit (per Mail an fachtagung@berufsverbandtext.de).
Eins ist klar: Es gibt eine Fachtagung 2027 und wir freuen uns schon jetzt darauf.










Futter, Freunde, Fähigkeiten: Auf unserer Fachtagung gibt es alles drei in reichhaltigen Portionen
Unsere Autorin

Britta Freith hat die Fachtagung diesmal nur ein bisschen mitorganisiert. Sie hat Robert Botz bei der improvisierten Startrede unterstützt und die Fotos gemacht. Von 2023–2025 war sie unsere Vorsitzende und vorher im Bewerbungsbeirat.
Britta ist studierte Biologin. Ihr beruflicher Schwerpunkt sind Konzeption, Texte und Audioguides für Ausstellungen und Wanderwege. Sie lebt in Hamburg und arbeitet, wo es ihr gerade passt.
Brittas Profil in der Textersuche
E-Mail: info@freith.de
Web: bessere-inhalte.de
Andere Texte von Britta für uns: Bessere Texte, Qualität und KI und ein Interview: Was kostet Text?