Greenwashing vermeiden: Ein EmpCo-Tool für Texterinnen und Texter

Greenwashing vermeiden: Ein EmpCo-Tool für Texterinnen und Texter

3. Februar 2026
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Die Texterin Sandra Cremer sprach mit ihrem Kollegen Moritz Liebold aus dem Berufsverband Text & Konzept. Moritz entwickelt den GreenwashingChecker, ein KI-gestütztes Tool zur Analyse potenziell problematischer Umweltaussagen im Sinne der EmpCo-Richtlinie.

Interview mit Moritz Liebold

Setzt sich für ungelogen gute Ideen ein, die sich gegen Greenwashing und Misstrauen behaupten: Moritz Liebold.

Sandra: Wie bist du zum Thema Nachhaltigkeitskommunikation gekommen?

Moritz: Ich arbeite schon lange als Texter für unterschiedliche Branchen. Parallel habe ich mich im Studium der Umweltwissenschaften auf die Nachhaltigkeitskommunikation spezialisiert, besonders auf den Umgang mit Greenwashing.

Sandra: Erzähl mal von deinem Projekt. Was hast du entwickelt?

Moritz: Gemeinsam mit Studierenden entwickle ich den GreenwashingChecker: ein Tool, das Texterinnen und Textern hilft, Nachhaltigkeit ehrlicher zu kommunizieren. Es erkennt Umweltaussagen in Texten automatisch, erklärt ihre wissenschaftliche und allgemeine rechtliche Bedeutung und unterstützt dabei, transparente Formulierungen zu finden.

Sandra: Wie funktioniert der GreenwashingChecker?

Moritz: Für Nutzerinnen und Nutzer funktioniert das Tool ähnlich wie eine simple Rechtschreibanalyse: Text eingeben, Umweltaussagen angezeigt bekommen, Hinweise umsetzen.

Dahinter steckt ein von uns trainiertes Sprachmodell: Wir sammeln tausende deutsche Umweltaussagen und kategorisieren sie, zum Beispiel anhand der Kriterien der EmpCo-Richtlinie. Damit trainieren wir einen Algorithmus darauf, relevante Behauptungen automatisch zu erkennen und einzuordnen. Jede Aussage ist mit fest definierten Hinweisen und Rechtstexten verknüpft, um intransparente Claims entsprechend anpassen zu können.

Das Tool nutzt also im ersten Schritt eine KI-basierte Spracherkennung, bietet aber im zweiten Schritt Handlungsempfehlungen mit soliden Referenzen und ohne Halluzinationen.


„Für Nutzerinnen und Nutzer funktioniert das Tool ähnlich wie eine simple Rechtschreibanalyse: Text eingeben, Umweltaussagen angezeigt bekommen, Hinweise umsetzen.“

Moritz Liebold, Gründer von unwashed und Mitglied im Berufsverband

Sandra: Was bringt das Tool den Nutzerinnen und Nutzern?

Moritz: Es bringt vor allem eine Zeitersparnis: Texterinnen und Texter können die Inhalte ihrer Kundinnen und Kunden auf Knopfdruck auf problematische Aussagen scannen, ohne sich selbst durch hunderte Seiten Text kämpfen zu müssen. Diese können dann selbstständig angepasst oder rechtlich geprüft werden, um vertrauenswürdiger zu kommunizieren und Abmahnungen zu vermeiden.

Trotzdem ersetzt das Tool natürlich keine professionelle Beratung: Es kann etwa nicht einschätzen, ob Umweltaussagen faktisch korrekt sind, ohne Einblick in die Unternehmensabläufe zu haben.

Sandra: Welche Erfahrungen machst du in der Praxis?

Britta: Im Rahmen der Entwicklung habe ich mit Unternehmen gesprochen, auch mit solchen, die bereits Greenwashing-Skandale erlebt haben. Ein mittelständisches Unternehmen hat seine „grüne“ Produktlinie beispielsweise für rund 50.000 Euro von einer Anwaltskanzlei prüfen lassen – und wurde zwei Jahre später trotzdem angezeigt.

Das macht deutlich, wie komplex und dynamisch die Situation ist. Mit Inkrafttreten der EmpCo-Richtlinie im September 2026 haben wir zum Glück ein wenig mehr Klarheit darüber, wie sich Unternehmen als nachhaltig darstellen dürfen. Trotzdem sind einige Punkte noch offen und werden wohl erst durch weitere Gerichtsverfahren geklärt.

Sandra: Für welche Bereiche gilt die Richtlinie?

Britta: Die Richtlinie betrifft kommerzielle B2C-Kommunikation von Unternehmen aller Branchen. Aber auch B2B-Unternehmen können und sollten sich natürlich ein Beispiel nehmen. Als Texterinnen und Texter sprechen wir dabei in erster Linie über schriftliche Umweltaussagen. Dazu zählen übrigens auch Produkt- und Markennamen.

Die Richtlinie gilt aber ebenso für Bilder, Icons und sogar Farben: Ein Foto von blühenden Landschaften kann in Kombination mit dazugehörigen Claims zum Problem werden. Die Frage ist eher, ob und wie Verstöße in diesem Bereich tatsächlich geahndet werden.

Sandra: Rechnest du damit, dass Unternehmen Schlupflöcher suchen?

Britta: Ja. Große Konzerne mit ausreichenden Ressourcen werden sicherlich Wege finden, Umweltfreundlichkeit vorzutäuschen, ohne entsprechende Maßnahmen durchzuführen. Kleine und mittelständische Unternehmen dagegen möchten in der Regel das Gesetz einhalten und ehrlich kommunizieren. Ihnen fehlt aber oft das Wissen, was erlaubt oder verboten ist und was Nachhaltigkeit eigentlich genau bedeutet. Für sie haben wir den GreenwashingChecker als Hilfsmittel entwickelt.


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