Personal Branding für Texter:innen: Ecken und Kanten bitte behalten

Personal Branding für Texter:innen: Ecken und Kanten bitte behalten

19. Juni 2026
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Profi sein reicht nicht mehr. Reicht nicht in Zeiten von KI, reicht nicht, um sich von anderen abzuheben. Profis gibt es viele. Was unterscheidet dich als Texter:in wirklich? Personal Branding gibt darauf eine Antwort, die du selbst in der Hand hast.

Personal Branding für Texter:innen

Personal Branding gilt als DAS Ding, vor allem, wer LinkedIn glauben mag. Aber was ist das überhaupt? Was kann Personal Branding? Und noch wichtiger: Was kann es nicht? Klären wir das kurz. Im Kern ist Personal Branding das, was andere über dich sagen, wenn du nicht im Raum bist. Wie du wahrgenommen und weiterempfohlen wirst. Das Gute daran: Du kannst selbst steuern, welches Bild von dir entsteht. Tust du das nicht, wird dir eins aufgedrückt. Und das wieder geradezurücken, ist schwieriger, als dein Personal Branding rechtzeitig selbst aufzubauen.

Deine Personenmarke macht sichtbar, was schon da ist: deine Werte, deine Stärken, deine Haltung, deine Art zu arbeiten und zu kommunizieren. Das, was Kund:innen erleben, wenn sie mit dir zu tun haben. Und das, was sie danach weitererzählen.

Du findest Selbstvermarktung angeberisch? Das kostet dich Aufträge.

Viele Texter:innen unterscheiden zwischen dem, was sie können, und dem, wie sie nach außen wirken. Als wären das zwei verschiedene Dinge. Das eine seriös und substanziell, das andere irgendwie … angeberisch und Selbstdarstellung.

Dieses Unbehagen ist verständlich. Und es kostet Aufträge.

Personal Branding bedeutet nicht, eine Bühnenversion von dir zu bauen. Es heißt, erkennbar zu sein, über alle Touchpoints hinweg. Dein Angebot, die Kommunikation, die Absagen, deine Posts auf LinkedIn und Instagram, Blogartikel, Newsletter, Website. Egal wo du auftrittst: Deine Marke muss sich durchziehen. Wenn du das nicht aktiv in Angriff nimmst, überlässt du es dem Zufall. Oder den anderen, die einfach irgendetwas über dich sagen. „Aber so bin ich doch gar nicht!“ hilft dir dann auch nicht mehr.

Wer genau weiß, woran er oder sie bei dir ist, beginnt, dir zu vertrauen. Und wer vertraut, kauft, bucht, beauftragt und empfiehlt.

Was du ablehnst, sagt mehr als das, was du anbietest

Die meisten Profile von Selbstständigen lesen sich wie Stellenanzeigen: Leistungen, Branchen, Expertise, möglichst breit, möglichst einladend. Bloß niemanden ausschließen. Und ganz viel „Ich kann, ich biete.“

Das Problem: Wer für alle da ist, ist für niemanden erste Wahl. Und wer nur von sich erzählt, spricht niemanden an.

Haltung (ja ja KI-Buzzword, aber darauf kommt’s nun mal an) zeigt sich nicht nur darin, wofür du stehst, sondern auch wofür nicht. Welche Aufträge du nicht annimmst, welche Kommunikationsansätze du ablehnst. Welche Werte dir in der Zusammenarbeit wichtig sind, auch wenn das manchmal unbequem ist.

Beispiel: die Anfrage der Klinik für Schönheitschirurgie. Nimmst du an oder lehnst du ab? Was ändert sich, wenn es um eine Klinik geht, die sich auf Unterstützung von Frauen in den Wechseljahren oder von Menschen nach Unfällen spezialisiert hat?

Dieses „Ich lege offen, wer ich bin“ klingt riskant. Ist es aber nicht, oder zumindest weit weniger riskant als das Gegenteil. Wer seine Ecken und Kanten zeigt, ist ehrlich und glaubwürdig, wirkt nahbar und bietet Menschen Anknüpfungspunkte. Wer immer nur glatt gebügelt auftritt, gibt ihnen keinen Grund zu bleiben oder wiederzukommen.

Anders gesagt: Wer Fan von dir ist, bleibt aus Überzeugung. Wer kein Fan ist, kommt gar nicht erst zu dir. Gut so! Denn nichts Schlimmeres als die, die dich auf der Liste haben, aber nicht wissen, wann, weshalb und wofür sie dich buchen sollen – und das dann auch nie tun.


„Wer genau weiß, woran er oder sie bei dir ist, beginnt, dir zu vertrauen. Und wer vertraut, kauft, bucht, beauftragt und empfiehlt.“

Sandra Walzer, Personal Branding für Unangepasste

Deine Personal Brand: Ecken und Kanten bitte behalten 

Diese gut gemeinte Tendenz, die eigene Persönlichkeit im Business zu glätten: Die ist genau das. Gut gemeint. Aber eben nicht gut gemacht. Eckiges rund schleifen, Eigenwilliges verstecken, Polarisierendes vermeiden, bloß professionell auftreten, bloß nicht anecken.

Kontraproduktiv.

Denn genau diese Ecken und Kanten sind es, woran Menschen hängen bleiben. Womit sie sich identifizieren, was sie weitererzählen. Was sie wiedererkennen, wenn sie das nächste Mal einen Auftrag zu vergeben haben. Wer keine Angriffsfläche bietet, bietet auch keine Anfassfläche.

Und hier kommt das Besondere in unserer Branche: Wir wissen, wie Sprache Charakter transportiert und Haltung zeigt. Dieses Können täglich für andere, aber nicht für uns selbst einsetzen? Das wäre nicht nur schade, sondern fahrlässig.

Kontinuität schlägt Perfektion

Personal Branding ist kein Projekt, das du einmal aufsetzt und dann abhakst. Deine Marke taucht immer wieder auf, in den Texten für dich selbst, in Gesprächen, in der Art, wie du ein Briefing kommentierst oder ein Angebot formulierst. In dem, was du auf Social Media postest, und in dem, was du nicht postest.

Dafür braucht’s kein perfektes Profil und keine täglichen Posts genau um 08:10 Uhr, weil da die meisten online sind. Es braucht Konsistenz. Damit das, was du sagst, mit dem übereinstimmt, was du tust – und beides immer überall erkennbar ist.

Wer nur dann sichtbar wird, wenn Auftragsflaute ist, baut keine Marke. Wer regelmäßig eine klare Perspektive zeigt (in welchem Format und welcher Frequenz auch immer), bleibt im Kopf. Und wird angefragt.

Deine Marke bist du. Fang heute damit an.

Sieh Personal Branding bloß nicht als Luxus für „wenn ich mal Zeit habe“. Zeig, wofür du stehst und wogegen du bist. Behalte deine Ecken und Kanten, und zeig sie konsistent. Pfeif auf Perfektionismus und denk dran: Deine Marke entsteht so oder so. Die Frage ist nur: Gestaltest du sie selbst, oder überlässt du es dem Zufall und den anderen?


Unsere Autorin

Sandra Walzer ist Texterin der ersten Stunde und Personal Branding Profi – kurz: die Frau, die dir sagt, dass deine Ecken und Kanten kein Bug, sondern dein bestes Feature sind. Unter dem Label REBELHOOD hilft sie Unangepassten, sich sichtbar zu machen – ohne sich zu verbiegen. Seit 1997 mit Worten unterwegs, seit 2010 auf eigene Rechnung.

Sandras Profil in der Textersuche
E-Mail: join@rebelhood.de
Web: https://rebelhood.de/

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