Preise für Texte in Zeiten von KI: Weshalb Qualität keinen Rabatt kennt

Preise für Texte in Zeiten von KI: Weshalb Qualität keinen Rabatt kennt

9. Dezember 2025
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Die Textbranche ist durch Künstliche Intelligenz unter Druck geraten. Aber müssen wir als Textprofis deshalb unsere Honorare anders kalkulieren? Wie wir den Wert unserer Arbeit sichtbarer machen und damit die Preise für Texte stabil halten.

Autorin: Kerstin Smirr

Seit Ende 2022 sind ChatGPT und Co. in die Werbe-, Marketing- und PR-Welt eingezogen. Die Folgen spüren viele Texterinnen und Texter schmerzhaft: Aufträge brechen weg. Beschleunigt wird die Entwicklung durch die aktuelle wirtschaftliche Lage und den Sparzwang bei Auftraggebenden.

Anfragen von neuen Interessenten werden weniger. Angebote, die früher durchgewunken worden wären, sorgen heute schon mal für Diskussionen. Unsere Preispolitik gerät unter Druck. Wie können wir darauf reagieren? Die Preise für Texte nach unten anpassen oder selbstbewusst verteidigen, auch wenn der Auftraggeber oder die Kundin daraufhin vielleicht Adieu sagt?

© Foto von Jakub Żerdzicki auf Unsplash

Preise für Texte nicht reflexartig senken

Eines muss uns klar sein: Den Kampf gegen ein ChatGPT-Abo von 20 Euro pro Monat können wir nicht gewinnen. Im Grunde genommen sind Dumpingpreise in der Texterbranche aber auch nichts Neues. Es gibt sie schon seit Langem bei Textbörsen. Stichwort: Preis pro Wort. Der Unterschied ist, dass heute auch Marketer und PR-Verantwortliche KI nutzen, die von Textbroker und Co. immer Abstand genommen haben. Die Auswirkungen der Texterstellung zu Billigpreisen oder jetzt sogar praktisch zum Nulltarif spüren wir also stärker als früher.

Dennoch spricht wenig dafür, die eigenen Honorare zu senken. Wenn wir uns mit Verweis auf die KI-Konkurrenz runterhandeln lassen, signalisiert das vor allem eins: Die Arbeit von Profi-Textern und -Texterinnen ist weniger wert als früher. Unser Expertenstatus leidet, die Einnahmen sinken. Dabei sind unsere Texte nicht weniger wertvoll, schließlich verkaufen wir nicht einfach nur Wörter, sondern Wirkung. Und: Wo halten wir an, wenn die Abwärtsspirale einmal im Gang ist? Das Preisniveau für hochwertige Texte geriete in Gefahr – wir täten also auch unseren Kolleginnen und Kollegen keinen Gefallen.

Nun werden manche Kundinnen und Kunden vielleicht einwenden, dass die Arbeit für uns mit KI-Tools sicherlich effizienter sei. Nicht jede Texterin und jeder Texter möchte diese aber nutzen – sei es aus ethischen Gründen, Datenschutzbedenken oder weil sie lieber zu hundert Prozent auf ihre eigene Kreativität und ihren persönlichen Stil setzen. Wenn sie aber KI-Tools einsetzen, ist bei der Preiskalkulation entscheidend, wie bislang abgerechnet wurde: pro Stunde oder pauschal.

Du rechnest per Stundensatz ab

Diese Form der Abrechnung basiert – klar – auf deinem Zeitaufwand. Dabei ist es grundsätzlich erst einmal egal, ob du KI-Tools nutzt, um effizienter oder qualitativ besser zu schreiben. Du stellst die Stunden in Rechnung, die du für einen Auftrag aufgewendet hast. Punkt.

Wirst du schneller, weil dir die KI etwa in Sekunden eine Textgliederung hinzaubert, bezahlt dein Kunde weniger als bislang. Du benötigst also mehr Aufträge, um dein wöchentliches Zeitkontigent zu füllen und deinen Umsatz zu sichern.

Deine Arbeit beschleunigt sich dank KI. Du machst das aber nicht transparent und schreibst einen ähnlichen Aufwand auf die Rechnung wie bislang? Das wäre nicht fair, schließlich bringen deine Kundin oder dein Kunde dir das Vertrauen entgegen, dass du deinen Zeitaufwand ehrlich in Rechnung stellst.

Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz kann auch Zeit kosten

Andererseits kann die Arbeit am Text sich mit KI auch in die Länge ziehen. Ein Beispiel: Du wirfst deinen fertigen Text am Ende in ChatGPT, um ihn korrigieren oder auf inhaltliche Lücken prüfen zu lassen. Oder du recherchierst mit Deep Research und findest viel mehr Informationen zu deinem Thema als früher, musst diese aber checken und Relevantes auswählen. Der Aufwand für die Recherche steigt. Das Ergebnis wird insgesamt besser, aber die zusätzliche Nutzung von KI kostet Zeit.

Es muss also nicht per se so sein, dass KI dich effizienter macht. Sie kann auch dabei unterstützen, die Qualität deiner Texte zu erhöhen. Und das ist ein guter Grund zu überdenken, ob du deinen Stundensatz nicht erhöhen solltest. Schließlich arbeitest du dich in unbezahlten Arbeitsstunden in neue Tools und das Prompt-Engineering ein. Du buchst kostenpflichtige Seminare zum Thema und auch die KI-Werkzeuge sind nicht gratis. Durch dein Know-how nimmst du Kundinnen und Kunden die Aufgabe ab, sich selbst mit ChatGPT und Co. intensiv beschäftigen zu müssen.

Insgesamt bildet dein Stundensatz nicht nur ab, was du zum Leben brauchst. Es fließen auch Faktoren wie Erfahrung, Wissen und der Wert deiner Leistung für deine Kundschaft ein. Um diesen Wert preislich besser abzubilden, solltest du überlegen, ob nicht generell das Pauschalhonorar die bessere Option ist.

Du rechnest über ein Pauschalhonorar ab

Preislich ändert sich für dich im KI-Zeitalter im Grunde nichts: Egal, wie lange du für einen bestimmten Auftrag benötigst, dein Kunde oder deine Kundin zahlt denselben Preis für deine Texte wie bislang. Und das, weil du ein bestimmtes Ergebnis verkaufst – wirkungsvollen Unique Content inklusive Nutzungsrechten, mit dem deine Kundschaft ihre Kommunikationsziele erreicht. Ich vergleiche es gerne mit einem Künstler: Er verkauft ein Bild, nicht die Abnutzung seiner Werkzeuge, die Farben und die Stunden, die er ins Konzipieren und Malen investiert hat.

Wie du als Texter oder Texterin zu deinem fertigen Werk kommst, welche Werkzeuge du bei der Erstellung nutzt und wie viel Zeit du benötigst, spielte bislang keine Rolle und tut es auch fortan nicht. Der Gegenwert zu deinem Honorar ist derselbe wie bislang. Vielleicht steigt er sogar, wenn du KI nutzt, um die Qualität deines Ergebnisses zu verbessern.

Und genau das ist dein Argument, wenn deine Kundschaft deine Preise für Texte plötzlich infrage stellt. Der Wert einer Dienstleistung wird heute noch häufig am Aufwand gemessen, auch wenn beide Seiten sich auf ein Pauschalhonorar geeinigt haben. Deshalb sollte dich ein solches Gespräch nicht verwundern. Zeige Verständnis, aber mache auch klar: Der Wert deiner Arbeit sinkt nicht – im Gegenteil.

Mache den Wert deiner Arbeit sichtbar

Gute Texte haben ihren Preis. Früher reichte es oft aus, auf offensichtliche Qualitätsunterschiede zu verweisen, wenn jemand in einer Preisverhandlung auf kostengünstige Alternativen verwies. Nur sind diese Qualitätsunterschiede bei KI-generierten Texten nicht mehr so offensichtlich für Menschen, die nicht so genau wissen, woran sich die Qualität eines Textes bemisst.

Was die KI generiert, liest sich auf den ersten Blick schließlich meistens passabel. Über die Qualitätsunterschiede hinaus müssen wir mehr denn je sichtbar machen, worin unsere Leistungen bestehen und weshalb die Honorare professioneller Texterinnen und Texter nach wie vor gerechtfertigt sind.

Einige gute Argumente für deinen Austausch mit Kundinnen und Kunden:

  • Texten ist mehr als Tippen: Wir sollten unbedingt aufzeigen, was die Texterstellung unter anderem umfasst: Recherche, Zielgruppenanalyse, Konzeption, Keywords ermitteln, ein analytischer Blick auf die Website-Texte des Wettbewerbs, zeitaufwendige Freigabeprozesse …
  • Storytelling ist für uns kein Fremdwort: Wir erfinden keine Geschichten, sondern erzählen sie.
  • Texterinnen und Texter sind Marketingprofis: Wir beraten und unterstützen unsere Kundinnen und Kunden bei (strategischen) Aufgaben, die über das reine Texten hinausgehen.
  • Wir sehen das große Ganze: Wir haben die Zielgruppe des auftraggebenden Unternehmens im Kopf, bringen Hintergrundinformationen miteinander in Zusammenhang, geben Feedback, wenn wir von einer Textidee auch mal nicht überzeugt sind oder sie noch nicht ausgereift ist. Die Corporate Language haben wir verinnerlicht.
  • Kundinnen und Kunden erhalten Klarheit: Wir verschmerzen auch mal ein vages Briefing und stellen die richtigen Fragen. Im Gegensatz zur KI, bei der ohne präzises Prompting nichts Verwertbares herauskommt.
  • Nicht alles lässt sich an die KI auslagern: Ein komplexes Thema recherchieren, ein Experteninterview führen, beim Kunden vor Ort Eindrücke sammeln und im Anschluss die Essenz inklusive Zitate in 5.000 Zeichen packen: Allein mit ChatGPT und anderen KI-basierten Tools ist ein solcher Auftrag nicht umsetzbar.
  • Wir sind sensibel: Wir warnen, wenn wir denken, dass eine Formulierung rechtlich Probleme bereiten oder Minderheiten verletzen könnte.
  • Auftraggebende profitieren von unserem KI-Wissen: Auch Kundinnen und Kunden machen die Erfahrung: KI-Tools liefern nicht automatisch perfekte Texte. Es braucht Wissen, um sie richtig zu nutzen. Als Selbstständige investieren wir Zeit und Kosten in unsere Weiterbildung. Wenn wir dieses Know-how in gemeinsame Projekte einbringen, ist es fair, wenn sich dies im Honorar widerspiegelt.
  • Wir sind langfristige Partnerinnen und Partner: Wir eignen uns mit der Zeit Expertise in den Themenbereichen unserer Kundinnen und Kunden an, sodass wir uns immer besser einbringen können.
  • Kundinnen und Kunden erhalten exklusive Inhalte: Sie erwerben Nutzungsrechte anindividuell abgestimmten Texten – im Unterschied zu generischen und austauschbaren KI-Texten.

Ideen, um deinen Umsatz zu stabilisieren

Als freie Texter und Texterinnen sind wir immer wieder gefordert, uns an Trends und wirtschaftliche Realitäten anzupassen. Auf der einen Seite ist diese Flexibilität reizvoll, denn wir sind in unserer Kreativität stets gefordert. Wir schaffen neue Leistungen, ohne uns intern zigmal abstimmen zu müssen.

Auf der anderen Seite bläst uns kalter Gegenwind natürlich direkt und ungeschützt ins Gesicht, wenn das bestehende Angebot nicht mehr so gut funktioniert wie bisher. Wenn der Umsatz sinkt, war es bisher immer ein Signal ins Handeln zu kommen – und das gilt aktuell mehr denn je. Einige Ideen, was du jetzt tun kannst, wenn du Schwierigkeiten hast, deinen Umsatz zu halten:

  • Verlagere dein Angebot auf Themengebiete oder Textsorten, die KI nicht zuverlässig übernehmen kann und bei denen menschliche Expertise nach wie vor gefordert ist.
  • Überlege, ob du Kundinnen und Kunden gezielt Aufgaben wie das Redigieren von KI-Texten anbieten möchtest oder zum Experten oder zur Expertin fürs Prompten werden willst. Manche Auftraggebende arbeiten zwar mit KI, aber es fehlt ihnen die sprachliche Kompetenz oder schlicht die Zeit, gute Texte zu generieren und an ihre eigenen Anforderungen anzupassen. So bleiben Kundenbeziehungen bestehen, auch wenn sich Aufgaben verändern.
  • Manche Auftraggebende möchten bewusst Texte, die von Menschen geschrieben sind und nicht von einer KI. Es gilt, sie zu finden aka Akquise zu betreiben.
  • Suche den Austausch mit Fachkolleginnen und -kollegen, zum Beispiel hier im Berufsverband Text und Konzept. Wie reagieren sie auf KI? Welche Lösungen haben sie für sich gefunden?
  • Baue dir zusätzliche Standbeine auf, zum Beispiel in der Konzeption, Content-Beratung, im Lehren oder vielleicht sogar in einem anderen beruflichen Feld. Die Kompass-Förderung greift dir bei der Weiterbildung unter die Arme.
  • Wird dir der finanzielle Druck zu viel? Ginge es dir mental in einer festen (Teilzeit-)Stelle besser, die dir Stabilität gibt? Die Selbstständigkeit runterzufahren oder komplett zu beenden, sollte nie ein Tabu sein. Es ist kein persönliches Scheitern. Lebens- und Karrierewege verlaufen heutzutage nicht linear und ein Zurück in die Selbstständigkeit ist auch später immer wieder möglich.

Preise für Texte wie ein Automatismus zu senken, sollte keine Option sein

Zugegeben: Für manche Kundinnen und Kunden genügt ein mittelmäßiges Ergebnis – Hauptsache, es steht irgendein Text auf der Landing Page. Als professionelle Texterinnen und Texter bieten wir aber eine Qualität, die über Mittelmaß hinausgeht. So wie einige lieber in ein gutes Restaurant gehen statt zum Fast Food um die Ecke, gibt es auch Unternehmen, die keine Massenware wollen und wissen, dass sich Qualität am Ende auszahlt – in Form von besseren Rankings, eines knackigen Slogans, einer emotionalen Geschichte und schlussendlich in höheren Umsätzen. 

Sie schätzen unser Handwerk sowie eine menschliche Zusammenarbeit und erkennen den Unterschied zu KI-generierten Texten. Dieser Kundenkreis ist kleiner, aber wir Mitglieder im Berufsverband Text und Konzept besitzen die Kompetenz, diese Zielgruppe mit unserer Kreativität, unseren Ideen und Leistungen erfolgreich zu unterstützen.

Geben wir Auftraggebenden einen Einblick in unsere Aufgaben und Arbeitsweisen, können sie den Wert unserer Arbeit besser einschätzen. Wenn wir auf Preisverhandlungen argumentativ vorbereitet sind, sind solche Gespräche nicht unangenehm. Sie geben uns vielmehr eine Chance zu zeigen, dass sich der Preis für Texte nicht an einem möglichen KI-Einsatz bemisst, sondern viele weitere Faktoren in unsere Kalkulation einfließen.



Unsere Autorin

Kerstin Smirr

Kerstin war zehn Jahre lang als Redakteurin im Print- und Online-Journalismus tätig. 2018 entschied sie sich für die Freiberuflichkeit. Seither unterstützt Kerstin Unternehmen in ihrer PR und im Content-Marketing – auf den Punkt, zielgruppenorientiert und bei Bedarf SEO-optimiert.

E-Mail: mail@kerstin-smirr.de
Web: https://www.kerstin-smirr.de

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